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Ilse Helbig erhielt Plauener Stadtplakette

Ilse Helbig

„Als ich im Frühjahr bei Ilse Helbig zum 80. Geburtstag war, stand noch nicht fest, dass sie von unserer Fraktion für die Stadtplakette vorgeschlagen wird. Trotzdem überbrachte ich dieser aktiven Frau die Glückwünsche von uns allen, weil wir wissen und wussten, was sie in Plauen und für Plauen leistet.

Geboren ist Ilse Helbig am Mühlgraben, in der Bleichstraße. Einer Gegend Plauens, die früher keinen Reichtum ausstrahlte und auch heute nicht zu den privilegierten Gegenden der Stadt zählt. Eigentlich, so erzählte sie mir, ist sie außerhalb der Stadtmauern geboren. Das war halt 1929 noch so. In ihrer Umgebung wuchs sie mit anderen Leuten in gleicher sozialer Situation auf, ohne Strom und Trinkwasser, sie hatten einen Brunnen bzw. eine Pumpe und viele Kerzen und Gaslicht. Es gab auch nicht wenige Kinder am Mühlgraben, es gab sogar viele. Die Familie wuchs und wuchs, mehrere Brüder kamen zur kleinen Ilse, der Ältesten der Kinder. Dann verbrachte sie eine gewisse Zeit bei den Großeltern und die Familie suchte sich später eine neue Bleibe. Ein Dach über den Kopf kam in dieser schweren Zeit fast einem Wunder gleich.

Mit sechs Jahren erhielt Ilse Helbig die Möglichkeit, in einer Schule zu lernen, wie übrigens alle Kinder der Familie. Sofort gewann sie Freude - besonders am Lesen, und so wurden Bücher ihre besten Freunde. Diese Freundschaft zur Literatur bewahrte sie sich bis heute. Besonders gerne liest sie Dinge, die ihr neues Wissen vermitteln. Es vergeht deshalb auch kein Tag ohne lesen und es ist in der Wohnung wenig Platz für andere Dinge. Ja, sie schreibt selbst Bücher oder beteiligt sich daran. So hat sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Buch „Ein langer Blick zurück“ geleistet.

Als Kind in bescheidenen Verhältnissen lebender Eltern – der Opa war Holzpantoffelhersteller, der Vater Maurer –, war sie schon als Kind gezwungen, Zeitungen auszutragen. Damit finanzierte sie sich das Erlernen der Stenografie und auch das Schreibmaschine schreiben. Ilse wollte eine Lehre im kaufmännischen Bereich, als Industriekauffrau. Während die Brüder sich im Handwerk wohl fühlten, suchte Ilse sich einen Platz im Büro.

Den 2. Weltkrieg erlebte sie hautnah in ihrer Heimatstadt. Sie sah die Häuser der Stadt zusammenstürzen und sah Menschen sterben. Es war für Frau Helbig ein Aufatmen und auch eine Art Befreiung, als der Krieg ein Ende fand. Als eifrige Frau half sie mit eine neue Stadt in einem neuen Staat aufzubauen. Sie weiß diese Zeit zu schätzen, sie hat ihren Anteil am Schönerwerden Plauens geleistet. Schon bald begann sie sich einen Wunsch zu erfüllen, sie studierte. Leider musste sie dann ihren beruflichen Wunschweg abbrechen, die Kinder kamen zur Welt. Trotz der Kinder blieb sie immer berufstätig. Insgesamt wurden es fünf Kinder in zwei Ehen, drei Jungs, von denen einer mit zwei Jahren an Masern verstarb und zwei Mädchen. Gerechtigkeit musste schon sein. Von den Kindern wurde sie übrigens zur 5-fachen Oma gemacht, und Uroma ist sie auch schon. Leider wurde sie bereits vor 30 Jahren Witwe, weil ihr Ehemann verstarb.

Trotzdem ließ Ilse Helbig nicht locker, sie engagierte sich natürlich in erster Linie für die Familie, aber auch für die Gesellschaft. Sie wollte etwas für Frauen erreichen. Sie setzte sich z. B. für Tageskinderkrippen in den Plauener Stadteilen ein, damit die jungen Muttis ihrer Arbeit nachgehen konnten.

Berufsmäßig konnte sie ihre Kenntnisse in Stenografie und Schreibmaschine schreiben nutzen, sie arbeitete als Sekretärin. Natürlich betätigte sie sich auch außerhalb der Arbeitszeit, sie schrieb Artikel als Volkskorrespondentin der Presse. Das machte ihr viel Spaß und sie freute sich, wenn ein Artikel oder auch nur ein kleiner Beitrag von ihr in der Tageszeitung stand. Im gestandenen Alter von 39 Jahren begann sie erneut zu studieren. Die Kinder waren inzwischen schon den Windeln entwachsen und das eigentliche Lebensziel noch nicht erreicht. Ilse Helbig begann ein Frauensonderstudium und wurde Ingenieurökonom an der Fachschule für Ökonomie in Plauen. Sie blieb auch gleich dort und arbeitet viele Jahre an der Fachschule für Ökonomie in der Verwaltung.

Mit 49 Jahren wird Ilse Helbig Witwe. Sie selbst erkrankt schwer am Herzen und wird nach einer Herzklappenoperation zur Frühinvalide. Als ihr einer der Söhne kürzlich einen Laptop vorbeibrachte und gleich noch einen Drucker dazu, hat Ilse für sich ein neues Hobby ausgemacht, sie will ihre persönlichen Lebenserinnerungen niederschreiben. Sie will ein Buch über sich und die Familie schreiben. Ganz bestimmt kommen dort auch Geschichten ihres beruflichen Daseins vor.

Dazu zählen gewiss auch all ihre Erfahrungen, die sie seit Jahren in den Weberhäusern sammelt. Sie lernte eines Tages die dortige Chefin, Frau Schier, kennen und fand sofort Gefallen am dortigen Wirken. Schnell erkannten auch die aktiven Frauen und Männer, dass Frau Helbig Organisationstalent besitzt und sich am Mühlgraben zu Hause fühlt. Somit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie zur Vorsitzenden des Unikat-Vereins, der die Weberhäuser betreut, gewählt wurde, das war 2001. Heute führt sie Gäste durch die Häuser und erklärt das frühere Leben unter damaligen erschwerten Umständen. Da kommen Schüler und kleine Besucher aus Kindergärten, aber auch Gäste von auswärts und aus dem Ausland. Ilse Helbig begrüßt Vereine und Parteien, aber auch interessierte Bürger vor Ort, geht aber auch gerne zu Partnern, um über das frühere Leben, das z. T. ihr eigenes ist, zu sprechen. Der Verein wurde ihre Heimat und er füllt ihr 80-jähriges Leben heute noch aus. Es ist deshalb auch sehr schön, dass dieser Verein heute geschlossen hinter dem Vorschlag zur Auszeichnung mit der Stadtplakette steht und jetzt anwesend ist.

Einen Wunsch hat Frau Helbig noch heute: die Häuser mögen sie überleben. Sie wünscht sich, dass die Weber-Häuser, in denen eigentlich nie Weber gewohnt haben, in der Stadt Plauen einen solchen Stellenwert erhalten der ihnen gebührt. Dazu zählt auch, dass es seitens der Stadt ab und an Mittel gibt, damit dieses Ensemble Plauener Geschichte noch lange erhalten bleibt. Sie ist dorthin zurückgekehrt, wo sie als Kind aufwuchs.

Sie selbst hat mir mal gesagt, sie will so lange sie kann den Weber-Häusern die Treue halten. Deshalb sieht sie ihre heutige Auszeichnung auch als eine Würdigung all der aktiven Helferinnen und Helfer, die nahezu jeden Tag vor Ort sind und Plauener Geschichte schreiben und erklären. Sie ist Plauenerin und will auch der Stadt ihre Treue halten.

Laudatio vom Vorsitzenden der LINKE-Stadtratsfraktion Wolfgang Hinz, DIE LINKE.

Foto: Ellen Liebner

15. Oktober 2009



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